Das FormatC-Gesetz: Lösen statt Löschen – Vom Unbehagen zwischen Mensch, Maschine und Mensch


„Before you can master a device, program or invention, it will be superseded; you will always be a beginner. Get good at it.“
Kevin Kelley

Geek & Technikverweigerer sein? Gleichzeitig? Das geht.

Wenn es darum geht einer Maschine einen Zusatznutzen zu entlocken, dann bin ich dabei:

Ohne Ahnung, ohne Plan, ohne Vorkenntnisse, ohne Angst davor etwas kaputt zu nachen, ohne Restriktionen des eigenen Zeitbudgets.

Scheiß auf Garantiedenke

Versuch, Irrtum und Ich:

Wir drei begeben uns auf eine gemeinsame Reise und hoffen darauf, in einen Flow zu geraten, uns darin kennenzulernen und dadurch irgendwie zum Ziel zu geraten. Ein guter Autodidakt braucht keinen theoretischen Background um anfangen zu können, Wissentransferleistung erfolgt revers aus erfolgreichem Handeln hin zur Theorie.
Es locken: Erkenntnisgewinn & das schöne Gefühl etwas von „Dunkel auf Hell“ bekommen zu haben.

Dieser Gamification- Ansatz trägt den Prozess, sich überhaupt neue Inhalte erarbeiten zu wollen, und erhöht die Frustrationstoleranz, sich bei wiederholtem Irrtum dennoch an den nächsten Versuch machen zu können.

Letztlich bildet dieser gedankliche Ansatz die Grundlage dafür, sich komplexen Sachverhalten überhaupt stellen zu können, und dadurch in den schnelldrehenden Entwicklungen moderner Technologien nicht die persönliche digitale Kluft zu erhöhen.

Niemand ist jemals in irgendetwas hineingeboren worden

Im Umgang mit technologischer Entwickling gibt es keine Gnade der späten Geburt. Kein Wissen das umfassend ist und dessen man sich dauerhaft sicher sein kann: Die „Generation Atari“ hat ihr Überlegenheitsgefühl aufgeben müssen, die „Generation C64“ ebenfalls, die „Generation Facebook“ wird sich irgendwann die Dinge auch erarbeiten müssen, genauso wie es die „Generation Cloud“ auch in der Zukunft wird leisten müssen.

Soviel zur Theorie. Aber klappt das auch immer in der Praxis?

Ein aktueller Blick in mein Wohnzimmer.

Ich will! Zielbindung, galore!

Mache aus der XBox das erste Mediacenter mit komfortablem UI! Check.
Bringe auf eine alte DBox eine Linuxvariante und mach dann damit, was man eben damit machen kann.
Check.
Mache USB-Surfsticks sim-&netlockfrei. Check.
Mache aus dem Iphone eine Kommunikationsmaschine, die alle Vorteile von Android und iOS miteinander verknüpft. Check.
Mache aus dem Ipad das ultimative mobile Arbeitsgerät.
In Progress.
Bringe alle alten Windows-Rechner im Haus, die sich selbst zugemüllt haben, wieder in die Spur.
Ch.. WTF! Nein!

Oh Nein. Scheiße. Der mieseste aller möglichen Tasks kommt auf mich zu. Plötzlich schüttelt es mich und es baut sich eine kognitive Firewall auf, die unüberwinbar erscheint. Wie in einer klassischen Szene der Disney Comics:

Die Motivation ist Donald, der sich gerade faul mit einer Flasche Blubberlutsch in seinem Vorgarten in die Hängematte lümmelt und dabei beseelt lächelt, während der Task in Gestalt von Daisy wutschnaubend vom Bürgersteig aus auf ihn einbrüllt, in irgendetwas tätig zu werden. Der Gartenzaun ist die Firewall, die ihn schützt.

Totalverweigerung.

Keine Chance für Daisy da etwas zu erreichen. Mit wutgerötetem Federkleid und weit geöffnetem Schnabel macht sie sich von dannen und läuft dabei Gustav Gans über den Weg, der sie prompt auf eine seiner just gewonnenen Kreuzfahrten einlädt. Donald schlürft sein Getränk durch den Strohhalm. Ende.

So geht es mir mit Windows. Aber warum kann ich mich für genannte Tasks begeistern, vermeide diesen jedoch wie der Teufel das Weihwasser?

In meinem Keller steht eine Kiste. Die enthält mein digitales Leben. Ungewollt. Sie ist voll mit alten Festplatten. Jedesmal, wenn ein Rechner in der Vergangenheit „tot“ war, habe ich die Festplatte ausgebaut, in die Kiste gelegt, den Rechner an die Straße gestellt (sind nach 1/2h immer weg) und mir einen neuen gekauft.

„Ich kann, weil ich will, was ich muss!“

Kant liefert. Ich kann also nicht, weil ich nicht will. Ich verhalte mich irrational, nehme gezielt und bewusst finanzielle Einbußen in kauf, und tue alles um der „Windows-Aufräumen“ – Tätigkeit aus dem Weg zu gehen.

Aber warum will ich nicht? Weil es mir augenscheinlich keinen Mehrwert liefert.
Die Tätigkeit hängt unverrückbar fest an einem Anker aus Unwillen und Aversion.

Ein Desktop-OS ist für mich ein Gegenstand, der keiner weiteren Beachtung bedarf.

Wenn ich eine Maschine kaufe, diese „out of the Box“ korrekt bediene und warte, dann erwarte ich, dass die läuft.

Durchläuft. Den Zustand, dass sie sich selbständig im laufenden Betrieb zumüllt, bis sie dadurch ihre eigene Funktionalität bis zur absoluten Unfähigkeit einer weiteren Nutzung immer weiter einschränkt, akzeptiere ich nicht. Ergo akzeptiere ich auch den Task der Wiederbelebung nicht. Ich kann mich nicht aufraffen.
[Aus diesem Grund hatte ich auch das HTC Desire wieder verkauft: ein sich selbst zumüllendes System, das aufgrund unverrückbarer Restriktionen im Hardware-Design einen Mehraufwand einforderte, der keinen Zusatznutzen mit sich brachte, sondern lediglich dazu diente, die eigentliche Grundfunktionalität des Gerätes aufrecht zu erhalten.]

Heute braucht man das im Privaten nicht mehr zu beachten: Es gibt alternative Systeme, die man als Liveversionen nutzen kann, oder die cloudbasiert sind. Und wenn man mit Windows-Systemen arbeiten muss, kann man den „Todeszeitpunkt durch Zumüllen“ nach hinten verschieben, den Lebenszyklus durch den Einsatz virtueller Maschinen oder deren kleinerer Geschwister, den Sandboxen, verlängern.

Nur bei komplexen und entsprechend rechenintensiven Applikationen wie z.B. Prozesssimulationstools oder 3D-Grafikanwendungen, die die volle Hardware- Power eines physischen Systems benötigen, kommt man damit nicht gut weiter.

Eine Reise in die Vergangenheit

Aber aktuell sind noch ein paar alte Rechner da. Ich muss sie warten und noch Daten retten, kann sie diesmal nicht demontieren, denn sie sollen an die Kids weitergegeben werden.
Der Task rollt auf mich zu. Bedrohlich.

Es nähern sich die Schatten meiner digitalen Jugend. Ich befürchte, um diese jetzt unvermeidliche Aufgabe durchführen zu können, in die Vorläufer sozialer Netzwerke hinabsteigen zu müssen.

Ich muss in die Subkultur. Der digitale Moloch, gleichermaßen Hades wie Mordor, von düsteren Grottenolmen bevölkert: PC-Hilfe-Foren

Schauer erfassen mich. Ich werde irgendwo bei Chip.de & Co. rumhängen müssen, wo diese Schattenwesen rumgeistern, die auch gerne in Trojanerboards ihr Umwesen treiben:

„Ladt mal das Logfile hoch.“ „Oh, oh. Das sieht noch Rootkit aus. Da hilft nur eines: System neu aufsetzen.“

Und in den PC-Foren, wenn der Rechner lahmt:

„Oh, oh, das hilft nur eines. System neu aufsetzen.“

So meine Vorstellung. Bah!

Nicht nur, dass der Task „Windows-Aufräumen“ als solches ekelhaft ist, weil zusatznutzenfrei. Nein, auch die Informationsbeschaffung zu dessen Lösung stellt ein potentielles Hindernis dar: Wo stecken da denn in jetzt für mich als Verweigerer, und entsprechend Laie, die hilfreichen Informationen?

Seit Uni- Zeiten, als ich mir über solche Quellen noch sachdienliche Informationen zur Lösung von PC- Problemen erhoffte, bin ich da nicht mehr gewesen.
Ich erinnere mich noch an meinen ersten „toten“ Windows- Rechner, den ich wieder neu aufgesetzt habe, und an die erste Antivir-Virusmeldung, die durch die Boxen trötete.
Hui, Hui. Gefahr. Also schaute man sich in diesen Foren um.

Irgendwie lief immer alles darauf hinaus, das System neu aufsetzen zu müssen: Format C. Rechner lahm, Grafikarte nicht erkannt, Viren.
In gefühlt jedem Blogpost kam einmal der Hinweis: FormatC.

Als DAU wusste ich nicht, dass das oft Schwachsinn ist, dass da Dummschwätzer unterwegs nicht, die nur ihre eigene Unkenntnis hinter diesem finalen Lösungsvorschlag verstecken. Wichtigtuer. Ich dachte tatsächlich, es gäbe keine andere Option. Das hat mich damals frustriert, und ist vielleicht die Ursache für meine grundsätzliche Ablehnung zu bestimmten PC- Themen.

Mittlerweile weiß ich zwar, dass es fast immer andere Lösungen gibt, als sein System neu aufsetzen zu müssen, dennoch kann ich mich nicht dazu aufraffen, gezielt meine Wissenslücken dahingehend zu schließen. Lieber vermeide ich weiteres Vorgehen, und rechtfertige meinen Unwillen damit vor mir selbst, indem ich das Thema, wie oben geschehen, als solches abwerte, Vorurteile habe, den Lesern meine Assoziationen dazu versuche als Gedanken zu verkaufen und dabei selbst mit Halbwissen argumentiere. Irgendetwas an dieser Art Dummgeschwätz scheint also menschlich zu…

Huch! Meine Frau kommt rein. Sie ist Daisy, ich bin Donald, das Sofa ist die Hängematte, eine Coke ist das Blubberlutsch. Problem: es gibt keinen Vorgarten und keinen Zaun, der Distanz zwischen uns schaffen würde.

„Was ist mit den Rechnern?“

„Bin ich noch nicht zu gekommen.“

„Anstatt am Ipad rumzufrickeln, hättest du das ja schon recherchieren können.“

Scheiße. Ich komme aus der Nummer nicht raus und setze mich an den Rechner. Tue so, als würde ich recherchieren. Mache ich aber nicht. Ich prokastiniere. Wenn ich schonmal am PC hocke, kann ich mal bei Googleplus reinschauen. Plätschert so durch. SocialMedia, Glaserei, Gedöns,…
Aha, jemand hat ein Rechnerproblem. Lahmt. Na, willkommen im Club.
Gelächter, „Lösungen“, und dann das:


Peng! Der Technikgott liebt mich? Hockt in der Cloud und schiebt mir, während ich eigentlich in einer Spirale aus Vermeidung rumkreise einfach mal die Lösung rein?
Einen der toten Rechner angeschlossen, angeworfen, nach 15 Min Bootzeit und einer kurzen Googelei, wo denn die Auslagerungsdatei überhaupt rumschwirrt, das Ding abgearbeitet. Läuft wieder. Geil. So einfach geht das. Und die Info kommt mal nebenbei einfach so angeflogen. Freude.

„Daisy, ein Rechner läuft wieder.“
„Das ging aber schnell, Donald. Wieso hast du da so einen Aufstand drum gemacht? Du wolltest dich wohl bloß drücken.“

Na toll. Egal. Noch ein bisschen weiter gescrollt, weiß der vielleicht noch etwas Hilfreiches?

Nein. Ok, aber was ist das?

Es ist nicht das Jahr 2001, sondern 2011, ich bin nicht in einem Grottenolm-Board, sondern bei Googleplus in der Timeline eines weithin angesehenen Netzwerkers, und da schleicht er sich ein, zeckt sich hinterrücks in die Kommentarzeilen:
Der mit Smiley versehene FormatC-Tipp! Gut, dass ich den hilfreichen Hinweis zuerst gesehen habe, denn sonst wäre ich wohl sofort angeekelt aus der Debatte ausgestiegen.

Da ist es wieder. Das FormatC- Gesetz:

In jeder Debatte über lahme und/oder virenverseuchte Windows-Rechner kommt der Hinweis, den Rechner neu aufzusetzen. Weil „sicher ist sicher“ und weil „man weiß ja nie“.

Diese Schau maximaler Unkenntnis und gleichzeitigen Mitredenwollens, die Hilfesuchende frustiert, die mit Aufwand droht, der meist unnötig ist, und die letztlich tatsächlich das Löschen des Systems, als einzige Handlungsalternative für dessen Aufrechterhaltung postuliert, dabei verschweigt, dass das neue System, nach kurzer Zeit mit denselben Problemen zu kämpfen haben wird, wenn man nicht tiefer einsteigt. Ein Paradoxon.

Das Ganze wird noch garniert durch den Smiley, der an dieser Stelle jedoch nichts anderes darstellt als vielmehr ein Ausrufezeichen der eigenen Dummheit:

Dieses Zeichen, dieses HiHi-Wir-Armen-Nerds-In-Unserer-Windows-Welt-Habens-Ja-Nicht-Leicht-Aber-Klopfen-Uns-Mal-Aufmunternd-Smilend-Auf-Die-Schulter-Wenn-Wir-Leidgenossen-Mal-Wieder-FormatClen-Müssen-Weil-Was-Bleibt-Uns-Anderes-Übrig ist der totale Abtörner. Für den der Hilfe sucht, für den der Hilfe geben will, für alle, die nur mitlesen um zu lernen. Für jeden Adressaten.

Schlau mitreden wollen, bar jeder Kenne, ist ein Phänomen, dass nie ausstirbt. Ich nehme mich da selbst nicht aus, aber:

Liebe FormatCler. Ich vermülle vielleicht meine Systeme, aber nicht die Kommentarzeilen oder Foren hilfesuchender Menschen, die ihre PC-Probleme lösen wollen. Ich weiß nicht, was euch dahingehend treibt, früher wie heute, unbedingt mitreden zu wollen, aber ich nutze diese Gelegenheit gerne mal, dass von Sascha Lobo formulierte Recht keine Meinung haben zu müssen, dahingehend zu erweitern, dass man dieses Recht auch mal gleichermaßen als Pflicht begreifen könnte:

Ich weiß auch nicht, wie alles geht, aber eines weiß ich: Vor dem Löschen steht das Lösen, und entweder ich kann etwas dazu beitragen, oder aber ich sage nichts, weil es nicht schlimm ist, nicht zu wissen, sondern einfach ganz normal.

Diese bald Jahrzehnte währende Form der „FormatC-Redundanz“ kann man vielleicht auch als Hilferuf verstehen: Diese Tippgeber sind sowohl Träger wie auch Opfer eines Systems, dessen Komplexität sie längst nicht mehr verstehen.

Dass ein Rechner erst läuft und im späteren Einsatz immer langsamer wird, ist ein komplexer Vorgang, der sich der Nachvollziehbarkeit des einzelnen Nutzers auch sehr schnell entzieht. Ein Problem, das jeder kennt, aber das die wenigsten nachvollziehen können?

Erzeugt das Unbehagen? Vielleicht.

Somit ist FormatC vielleicht garnicht als Lösung gemeint, sondern gibt dem Tippgeber, der den Tipp voraussichtlich selbst schon 100 Mal irgendwo gelesen hat, lediglich nur etwas Selbstsicherheit zurück: FormatC als Lösung anzubieten (was es kurzfristig ja auch ist), bestätigt den Geber einfach darin, hier Kenntnis zu haben. Der Tipp ist aber an der Stelle kein Tipp, sondern dient dem Geber hier vielmehr als Ventil, die eigene Unsicherheit im Umgang mit der IT im Alltag zu kompensieren, das Gefühl von Komplexität zu reduzieren, einfach dadurch, dass er sich an der Kommunikation beteiligt.

Und da FormatC auf jeden Fall hilft, kann man das auch bringen, ohne Gefahr zu laufen, sich vor der Gruppe lächerlich zu machen. Ergo läge hier eine Erklärung dafür vor, warum dieser oft unsinnige Lösungsvorschlag so inflationär oft vorgetragen wird.


Und hier komme ich wieder zu Kelley. Es ist OK. Akzeptiere ich hier meine Unkenntnis, und sage nichts, dann lasse ich hier den Raum frei, für die, die wirkliche Lösungen zu bieten haben. Lese ich nur mit, sage nichts, kann ich etwas lernen. Dabei zu einer Erkenntnis zu gelangen, und sei diese noch so kleinteilig, nimmt mehr Druck, reduziert mehr Komplexität, als jedes noch so eifrig vorgetragene:

F O R M A T C😉

Kategorien:Uncategorized

Vom Zeitschriftenregal in den Appstore – Ein Magazin zieht um

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Der Spieletitel GEE der Hamburger GEE Media&Marketing GmbH erscheint ab jetzt monatlich für mobile Endgeräte (bisher nur für das Ipad, „weitere Vertriebskanäle“ sind geplant) und wird im Printformat (in der Größe eines 10″-Tablets) nur noch alle drei Monate in einer „Best Of“- Ausgabe als Printerzeugnis aufgelegt werden.


Der Verlag an der Hamburger Hongkongstraße geht hier einen neuen Weg, der in einer fortlaufenden Debatte um Vertriebsmöglichkeiten & Erlösmodelle digitaler Publikationen eine besondere Beachtung verdient:
Erstmalig will sich in Deutschland eine als Printpublikation etablierte Marke derart wandeln, dass sie den Sprung ins Digitale nicht als „Beifang“ begreift, sondern darin zukünftig ihren Hauptvertriebskanal sieht.

Auch wenn man der Zielgruppe des Formats sicherlich am ehesten zugestehen mag diesen Weg mitzugehen, so stellt diese Neuausrichtung dennoch einen mutigen Schritt dar.

Werden die Leser den Verlust der Haptik des Magazins und den Wegfall des vorzeigbaren Statements akzeptieren, Spiele auch als Kulturgut, Erlebniswelt und Lifestyle zu begreifen? Ein Statement, das sie durch die Printausgabe bisher kommunizieren konnten und das jetzt wegfällt.

Droht eine wesentliche Stärke dieses Printtitels, Skurrilitäten, Entwicklungen und Gadgets abseits ausgetretener Pfade
zu identifizieren, zu aggregieren und selektiv im Magazin zu platzieren, nicht im Digitalen unterzugehen (Übersättigung mit Fun Content, im Sinne eines „Tumblr-Effekts“)?

Werden sich redaktioneller Inhalt und die neuen Möglichkeiten der Werbefinanzierung (durch Bewegtbildinhalte, mögliche In-App-Käufe getesteter Ipad-Titel, etc.) noch klar genug dem Leser gegenüber gegeneinander abgrenzen lassen, oder droht dabei die Gefahr, das eigene Profil zu verwässern?

Die Geschichte der Spiele- Magazine in Deutschland ist auch eine Geschichte des Scheiterns. Seit der ersten professionellen Publikation Telematch und den SpinOffs von Computer- Zeitschriften des „Markt&Technik“- Verlags in den 1980er- Jahren, bis hin zu den Hochglanz- Titeln in der heutigen Zeit, sind gefühlte 50 Titel „gekommen und gegangen“  und u.a. auch immer wieder daran gescheitert, dass Ihnen aus Lesersicht  eine zu große Nähe zur Werbewirtschaft und damit mangelnde Glaubwürdigkeit unterstellt wurde.

Es scheint, dass man sich auf der Seite der Verlagsverantwortlichen dieser Sensibilität seitens der Leserschaft von Gaming-Titeln bewusst ist.

Nachvollziehen lässt sich das aktuell via Ipad im Appstore: „GEE Display“ präsentiert sich dort offiziell ab dem 27.06. mit einer Digital-Ausgabe zum Einzelpreis von 3,99€ sowie vergünstigt in diversen Abomodellen.

Ein kostenloses „Transformers“- Feature, das klar als Promotion-Special deklariert ist, lässt sich ebenfalls herunterladen.
Eine sehr ansprechende Form dessen, was in der Werbung im Printbereich bisher als „Advertorial“ bezeichnet wird.

Dem Hamburger Verlag merkt man an, dass er gewillt ist seinen Claim „Love for Games“ authentisch & glaubwürdig ins Digitale zu portieren.

Nicht nur Spielefans, sondern auch andere Adressaten wie Games-Publisher, Bewegtbild-Vermarkter, Kreative und nicht zuletzt auch Verlagsverantwortliche sollten einen Blick auf dieses neue Format und dessen Entwicklung werfen.

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Hintergrund: Schummelei einiger Marketplace- Händler bei Amazon.de

Gelegentlich fällt mir der Kaufprozess bei Amazon Marketplace negativ auf:

  •  Händler aus UK  „verschleiern“ ihre Herkunft durch de-Domains und durch deutschsprachige Namensgebung.
  • Geben wenige Werktage Versandzeit im Angebotstext an, in den Angebots/-Händlerbedingungen ihres Profils selbst ist jedoch ein Zeitfenster von mehreren Wochen hinterlegt. Das ist für den Käufer während des Kaufprozesses nicht direkt ersichtlich.
  • Nutzen nach Kauf eine Lücke im Amazon-System: Sie  setzen den Status direkt auf „Versandt“ (und können dadurch den Zahlungsbetrag sofort verbuchen), Amazon zieht sich die Lieferfrist aber offensichtlich aus dem Angebotsprofil, das abweichend von der Angebotsbeschreibung ist.

Durch die Kombination „Bereits versandt“ und eine jedoch weit in der Zukunft liegende Lieferfrist, verlieren Käufer temporär die Möglichkeit zum Widerruf innerhalb ihres Ordermanagements, egal ob sie den Schwindel bemerkt , oder ob er sich einfach nur umentschlossen haben:

  • Man kann die Order nicht stornieren, da der Versand  seitens des Verkäufers bestätigt wurde.
  • Man kann auch nicht den Umweg über „Rücksendung der Ware“ gehen um die Order zu canceln, denn diese Option steht  erst zur Verfügung, wenn die Lieferfrist abgelaufen ist, und dies ist ja erst irgenwann in der Zukunft der Fall…

In ein paar Wochen kommt dann die Ware, die Freude darüber ist dann voraussichtlich größer als der mittlerweile verrauchte Ärger…
Und da man als Käufer selten bis nie nie Lust auf Berwertungen hat, ist es einem dann auch wieder egal…

So kommen Verkäufer gut damit durch, ohne ein verdächtig negatives Feedback zu bekommen.

Aus kaufmännischer Sicht ist das Prozedere auch sehr interessant: wie kommt es denn zu diesen mehreren Wochen Lieferzeit?

Die Händler:

  • Versenden aus Jersey (Brit.Kanal-Insel, die geo-lagebedingt als Drittland gilt und zollrechtlich entsprechend behandelt wird. Nutzen viele UK-Retailer als Logistik-Basis, da steuerliche Vorteile). Ergo können Verzögerungen durch zollrechtliche Behandlung im Empfängerland entstehen.
  • Der Hauptgrund ist jedoch: die Händler haben die Ware ja oft nicht auf Jersey liegen, dort gibt es allenfalls kleine Pufferläger, die  kassieren direkt beim Käufer und bestellen die georderte Ware ihrerseits  „in time“ bei HongKong- Retailern.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Die Händler müssen also nicht mit Eigenkapital in Vorleistung treten, da sie ja bei ihren Kunden vorab das Geld schon eingezogen haben (denn die Ware ist ja „offiziell versandt“)
  • Es sind nur geringe Lagerkapazitäten vorzuhalten, denn das Lager wird ja beim Großhändler in HongKong betrieben.

Clever gelöst.

Ich habe diese Erfahrung bereits einige Male beim Kauf von Zubehörartikeln gemacht : billige Peripherie (Smartphonetaschen, Display-Folien, Cases, etc.) die man als Retailer selbst schnell und kostengünstig aus Fernost beziehen kann, werden in Europa verkauft, unter einer Verschleierung der Herkunft der Ware, bzw. des Vorgaukelns, der eigene Firmensitz befände sich im Herkunftsland des Käufers. Meiner Meinung nach eine klare Täuschung.

Neu ist dieses Verfahren natürlich nicht. Bei ebay ist mir das auch schon ein paar Mal  passiert.

Bei Amazon ist jedoch das Preisniveau durchweg höher, und die Käufer interessiert es nicht ob sie „direkt“ oder im Marketplace kaufen: Wer hier kauft, möchte klicken und dann nicht weiter darüber nachdenken müssen „wie es weitergeht“. Dafür ist man bereit mehr zu bezahlen.

Das Thema Retoure-Management seitens des Käufers, bei Nichtgefallen der Ware, ist hierbei noch nichtmal berücksichtigt: Wer möchte schon eine Ware nach Jersey schicken, wenn er eigentlich dachte, er kauft in Deutschland, und nichtmal weiß, ob und wie er die Versandkosten er erstattet bekommt?

Amazon täte gut daran, gegen solche Täuschungen wie solche verdeckten Dropshipping- Deals vorzugehen, die unter der Spiegelung falscher Tatsachen seitens mancher Verkäufer abgewickelt werden.

 

 

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